Die Geburtshilfe im Krankenhaus Strausberg kann die Anforderungen der Krankenhausreform weder kurz- noch langfristig erfüllen. Sie wurde deshalb zum 29. Juni eingestellt. Die Immanuel Klinik Rüdersdorf übernimmt die Versorgung ...
Alles lechzt nach Wasser – und das wird knapp
Der Grundwasserverbrauch ist höher als die Neubildung. Die Verfügbarkeit ist begrenzt, die Interessen vielfältig. Die Verantwortung für die Trinkwassersicherheit liegt im Hier und Jetzt. Ob das bei den Wasserverbänden schon angekommen ist, ist nicht immer klar. Von Christian Göritz-Vorhof
Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) stellt die Preise für Trinkwasser um. Abrechnung rein nach Verbrauchsmenge und Wegfall der Grundgebühr – so ein erster Entwurf einer Satzungsänderung. Wirtschaftliche Anforderung trifft auf Sparanreiz. Die Änderung betrifft zum einen die Grundgebühr von circa 94 Euro pro Anschluss und den Preis pro Kubikmeter Trinkwasser. Bei Wegfall der Grundgebühr würde der Preis pro Kubikmeter etwa verdoppelt. Aktuell liegt der Preis bei 1,10 Euro pro Kubikmeter und sollte auf 2,40 Euro erhöht werden. Der endgültige Preis steht nach Vertagung der Satzungsänderung auf die nächste WSE–Verbandsversammlung noch nicht fest.
Mit dem Thema Wasser beschäftigen sich im Landkreis Märkisch-Oderland Menschen mit unterschiedlicher Betroffenheit, unterschiedlichen Aufgaben und Interessen – als Privatperson, als politische Vertreterinnen und Vertreter oder Expertinnen. Das Thema umfasst dabei viele verschiedene Felder. Den Hochwasserschutz, die Bewässerung der Felder für den Anbau landwirtschaftlicher Produkte, Schöpfwerke, Wiedervernässung, Moore, das Austrocknen von Oberflächengewässern, den Straussee. Damit nicht genug, das Thema betrifft auch die Ansiedlung von wasserintensivem Gewerbe und Industrie, die Einschränkung kommunaler Entwicklung aufgrund ausgeschöpfter Wasservorräte, die sichere Trinkwasserversorgung nachfolgender Generationen, den Umgang mit Starkregenereignissen, Regen- und Brauchwassernutzung sowie die Aufbereitung von Abwassern. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Zu Grunde liegt all diesen Themen die Nutzung der Ressource Wasser, welches als Grundwasser immer knapper wird. Deutschland hat gemäß einer Studie des Helmholtz-Zentrums für Geoforschung zwischen 2002 und 2022 pro Jahr im Durchschnitt 760 Millionen Tonnen Wasser verloren. Das sind 51 Mal der komplette Straussee. Der Verlust umfasst schmelzende Gletscher, Bodenfeuchte, Gewässerspiegel und eben das Grundwasser. Die Menge entspricht dem 380 Fachen des derzeitigen Wasserverlusts des Straussees. Andere Studien gehen von noch höheren Verlusten für Deutschland aus.
Den Artikel zum Thema lesen Sie hier: https://mol-blick.de/alles-lechzt-nach-wasser-doch-das-wird-knapp/
Einen Hintergrundbericht finden Sie hier: https://mol-blick.de/hintergrund-wasser-als-schuetzenswertes-gut/
Kommentar
Trinkwasser: Sind wir am Ende der Joker?
Von Juliane Roschitz
Trinkwasser ist nur begrenzt verfügbar. Wasserverbände fördern es aus dem Grundwasser, dessen Neubildung erfolgt langsamer als die Entnahmen. Früher oder (nicht allzu zuviel) später kann kein Trinkwasser mehr gefördert werden. Trinkwasser zu fördern ist aber originäre Aufgabe der Wasserverbände. Was tun? Der Vorschlag, die zulässige Verbrauchsmenge zu begrenzen, stieß auf große Ablehnung. Neue Förderorte finden kostet viel Geld. Letztlich sind bisherige Ansätze nicht die Lösung. Es bräuchte freiwillige Verhaltensänderungen bei uns selbst. Die neue Tarifgestaltung kann dazu beitragen, die Verbraucherinnen und Verbraucher zu motivieren, Wasser sparsam zu nutzen.
Gut an einer neuer Kostenstruktur wäre, dass die Rechnung für das Trinkwasser von den Verbrauchern beeinflussbarer wird. Weniger Verbrauch, geringere Kosten. Schlecht ist, dass die Einnahmekalkulation für den Wasserverband nicht mehr ganz sicher vorhersehbar ist. Gut ist, dass das Bewusstsein darüber wächst, wofür wir Trinkwasser aktuell nutzen. Vielleicht schmerzt es mehr, mit Trinkwasser zu spülen, wenn der Kubikmeter 2,40 Euro kostet. Vielleicht öffnet die Änderung auch die Akzeptanz für Regen- und Brauchwassernutzung da, wo es möglich ist. Andererseits sind die privaten Abnehmer:innen nicht für den Löwenanteil des Verbrauchs verantwortlich. Und auch ist es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn Wasser nur punktuell und nur regional gespart wird. Was ist mit den Entnahmen, die außerhalb der Wasserverbände erfolgen, für Kühlung von Rechenzentren und für sonstige Bauprojekte?
Aber zurück zur Tarifänderung. Bisher war das Thema Wassersparen kein Thema, dass bei den Bürgermeister:innen auf Begeisterung stieß. Schließlich hängen Entscheidungen zu Schulbauten, Gewerbegebieten, Wohnungsbau daran, ob Wasser dafür zur Verfügung steht. Ist angekommen, dass die Bürgermeister:innen Trinkwasser nicht nur uns jetzt und hier zur Verfügung stellen sollen, sondern auch den nachfolgenden Generationen? Oder sind wir jetzt der Joker, der durch geringeren Verbrauch Trinkwassermengen freigibt? Die wahre Motivation bleibt unklar. Fest steht: Wir sind nicht handlungsunfähig. Im Gegenteil. Wir haben es noch in der Hand.
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